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Best Practice: Unterricht im Digitalen Raum (DR)
Ziel dieser Seite: Hier sammeln wir kompakte Tipps, Methoden und Gelingensbedingungen für unseren DR (synchron & asynchron). Ziel ist nicht die perfekte Theorie, sondern die pragmatische Umsetzung im Alltag zwischen Metallwerkstatt, Pflegebett und IT-Labor.
1. Die Grundhaltung: E-Moderation (nach G. Salmon)
Weniger „Lehren“, mehr „Ermöglichen“.
Bevor wir Inhalte vermitteln, müssen wir den Zugang und die Motivation sichern. Gilly Salmons Modell lässt sich für uns auf drei goldene Regeln eindampfen:
- Access & Motivation: Kläre vor dem Inhalt die Technik und die Stimmung. Ein Schüler, der nicht ins WLAN kommt oder sich isoliert fühlt, lernt nichts.
- Online-Sozialisation: Lernen ist sozial. Baue Brücken zwischen den Lernenden (z. B. durch Partnerarbeit in Breakout-Rooms), bevor sie komplexe Fachinhalte bearbeiten - auch wenn die Schüler:innen sich aus dem Präsenzunterricht kennen, die Situation ist anders.
- Wissenskonstruktion: Die Lernenden sollen Inhalte nicht nur konsumieren, sondern produzieren (Texte, Videos, Lösungen) und sich gegenseitig Feedback geben - auch im Online-Unterricht.
2. Der Synchrone Raum (Videokonferenzen)
Zeit für Austausch, Fragen und Beziehung – nicht für Frontalvorträge.
Der Einstieg (Check-in)
- Die 5-Minuten-Ankommensphase: z. B. Musik laufen lassen, während alle eintrudeln. Chat für Smalltalk öffnen („Wie ist das Wetter/die Stimmung auf einer Skala von 1-10?“). Gerne auch eine kleine Umfrage zum Start „Wie fühlen Sie sich heute?“ mit anonymen Antworten.
- Kamerapflicht vs. Freiwilligkeit: Tipp: „Kameras an zur Begrüßung und in Breakout-Rooms“. Das wahrt Privatsphäre, sichert aber Verbindlichkeit. Auch individuelle Absprachen sind möglich und sinnvoll, Lerngruppen reagieren jeweils anders.
Aktivierung statt Berieselung
- Das Chat-Gewitter: Stelle eine Frage → Alle tippen die Antwort, drücken aber erst auf „Senden“, wenn du das Kommando gibst. Effekt: Alle antworten gleichzeitig, niemand schreibt ab.
- Digitale Handzeichen: Nutze die „Daumen hoch/runter“ Funktion für schnelle Stimmungsbilder oder Verständnischecks („Wer hat die Aufgabe im LMS gefunden?“).
- Silent Co-Working: 15 Minuten Kamera an, Mikro aus, jeder arbeitet an einer Aufgabe. Das schafft Verbindlichkeit durch soziale Kontrolle untereinander.
3. Der Asynchrone Raum (Moodle / schul.cloud)
Klarheit ist King. Asynchron bedeutet oft: Die Schüler sind auf sich allein gestellt.
Struktur & Aufgabenstellung
- Das Sandwich-Prinzip:
- Intro: Video oder kurzer Text (Worum geht es heute? Zeitansatz?).
- Erarbeitung: Material (PDF, Video, Link).
- Output: Was müssen die Schüler tun? (Quiz, Upload, Forenbeitrag).
- Deadline-Klarheit: Aufgaben immer mit konkretem Datum und Uhrzeit versehen (z. B. „Dienstag, 18:00 Uhr“).
Sichtbarkeit der Lehrkraft
Auch wenn du nicht live bist, musst du präsent sein:
- Channel-Feedback: Antworte auf Fragen im Channel binnen 24h (werktags).
- Ankündigungen: Nutze den Channel ggf. für Updates vor den DR-Terminen („Was diese Woche ansteht“).
4. Fachspezifische Impulse (Schwerpunkte)
| Bereich | Best Practice Idee |
|---|---|
| Handwerk & Technik (Metall, Elektro) | Foto-Dokumentation: Schüler fotografieren Arbeitsschritte zuhause (z. B. Skizzen, einfache Reparaturen) und laden diese hoch. Fehlersuche: Zeige ein Bild/Video einer fehlerhaften Schaltung/Schweißnaht via Screensharing – Schüler markieren Fehler (Annotieren-Funktion). |
| Sozialpädagogik & Gesundheit | Fallarbeit im Breakout-Room: Fälle werden in kleinen Gruppen diskutiert (Peer-Learning), Ergebnisse im Plenum präsentiert. Reflexion: Nutzung von digitalen Tagebüchern (Journals) für Praxisphasen. |
| IT & Wirtschaft/Verwaltung | Kollaboration: Gemeinsames Arbeiten in einem Dokument (Word/Excel/TaskCards) in Echtzeit. Screen-Sharing durch Schüler: Schüler zeigt seinen Code/Buchungssätze und erklärt den Rechenweg („Lernen durch Lehren“). |
| Ausbildungsvorbereitung (AV) | Niederschwelligkeit: Aufgaben direkt aufs Smartphone (schul.cloud). Sprachnachrichten: Feedback per Audio-Datei ist oft persönlicher und verständlicher als viel Text. |
5. Quick-Wins & Tools (Datenschutzkonform!)
Kleine Helfer für den DR-Alltag. Vorrangig nutzen wir unsere integrierten BBZ-Cloud-Lösungen!
- CryptPad (In der BBZ Cloud integriert): Die sichere Alternative zu Google Docs/Etherpad. Für kollaboratives Schreiben, Tabellen und Whiteboards in Echtzeit. Ideal für Gruppenarbeiten.
- TaskCards (In der BBZ Cloud integriert): Die DSGVO-konforme Alternative zu Padlet/Miro. Perfekt für digitale Pinnwände, Zeitstrahle, Weltkarten oder Wochenpläne.
- Classroomscreen (Im „Apps“-Dropdown der BBZ Cloud): Das „Schweizer Taschenmesser“ für die Bildschirm-Verwaltung. Bietet Timer, Ampel, QR-Codes, Lautstärke-Messer und Zufallsnamen-Generator auf einer Oberfläche.
- Frag-jetzt: Für komplett anonyme Fragen der Schüler an die Lehrkraft (senkt die Hemmschwelle bei Schamgefühl oder großen Gruppen).
- Wheel of Names (Extern): Bunter, gamifizierter Zufallsgenerator (Alternative: Die Namensliste im Classroomscreen nutzen).
6. Checkliste: Ist mein DR-Unterricht schüleraktivierend aufgebaut? Ein paar Vorschläge nach G. Salmon
- [ ] Ist die Technik für alle geklärt? (Access)
- [ ] Gibt es eine Phase des persönlichen Ankommens? (Socialisation)
- [ ] Ist die Aufgabe klar formuliert und das Material auffindbar? (Information Exchange)
- [ ] Müssen die Schüler aktiv etwas tun/erschaffen? (Knowledge Construction)
- [ ] Habe ich Feedback eingeplant? (Development)
Mitmach-Aufruf: Hast du eine Idee oder einen Fehler gefunden? Schreibe eine Nachricht an dennis.clausen@bbz-rd-eck.de!